Fallschirmjäger-Tagebuch Teil X: Die Bootsausbildung

Teil 10 - Die Bootsausbildung

 

Der Donnerstag stand ganz im Zeichen des Wassers. Wir verlegten zu einem nahegelegenen, etwa 60m breiten Fluss und seilten uns dort von der darüber führenden Brücke ab, um dann die letzten 7m loszulassen und ins Wasser zu springen. Obwohl wir aus Sicherheitsgründen Neoprenanzüge tragen durften, kann ich den Eintritt ins eiskalte fließende Wasser mit keinen Worten passend wiedergeben. Ich dachte mir nur, ich würde nie wieder warm werden können. Dass ich das doch konnte, bewiesen uns die Ausbilder beim behelfsmäßigen Bau eines Bootes mit Reifen und Kanistern. Das größte Problem waren seitdem die nassen, klammen Finger, die ich kaum noch bewegen konnte. Dennoch mussten Knoten gebunden und Knöpfe der Zeltbahn unter Zeitdruck verschlossen werden. Anschließend schwommen wir in Teams mit unseren Gepäcken zum anderen Ufer des Flusses, um dann mit den geschulterten Zeltbahnpaketen noch einige hundert Meter landeinwärts zu laufen.

 

 

Das bewies sich dadurch als schwierig, da auch die Füße eiskalt waren und auch das Gefühl durch den Schnee an Land nicht vollends zurückgekehrt war. Hier half jedoch nur, die Zähne zusammen zu beißen und durchzuziehen. Es war ja schließlich schon Donnerstag! Nach der Bootsausbildung, ging es im Eilmarsch zurück ins Lager, wo wir noch eine praktische Vorführung für das Aufnahmeverfahren auf sich gestellter Gruppen erhielten, bevor die letzte Nacht im Freien für diese Woche über uns hereinbrach.

 

 

Nachdem wir ein letztes Mal alarmiert wurden und das Lager abgebaut hatten, ging es schnellstmöglich zurück in die Kaserne. Dort angekommen erhielten wir den kompletten Vormittag Unterrichte. Jeder von uns hatte damit zu kämpfen, nicht vor Müdigkeit einzuschlafen, da jedem von uns bewusst war, wie schnell der warme Raum und die Möglichkeit zu sitzen, gegen Kälte, Schnee sowie Extrarunden eingetauscht werden konnte. Unsere Stimmung war mit Ende des letzten Unterrichts nahezu euphorisch, war doch die Hälfte des Lehrgangs geschafft und zumindest schon ein Teil der Hürde zum Einzelkämpfer genommen. Die dritte Woche wurde unter Soldaten auch die „Hungerwoche“ genannt und so hieß es jetzt wieder Wunden lecken und über das Wochenende so gut zu regenerieren wie nur möglich.

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(1) Kommentare

  • Militär

    Erinnert mich an meine Zeit als Militär in Airolo
    3 Dinge habe ich dort gelernt.

    Erstens:
    Kälte wird 100mal schlimmer wahrgenommen wenn die Psyche nicht stark ist. Hervorgerufen druch Hunger, Müdigkeit und jemanden
    der dir die ganze Zeit die Eier stresst.
    Zweitens:
    Das Equipment des (Schweizer) Militärs ist der letzte Müll. Das Gewehr ist viel zu schwer.
    Die Klamotten sind ausgewaschen und schützen weder gegen die Kälte noch gegen die Nässe.
    Der Inhalt der Feldflasche schmeckt wiederlich.
    Drittens:
    Durch den Dauerstress ist man nicht mehr fähig logisch, rationell und zusammenhängend zu denken.
    Wiso ziehe ich überhaupt in den Krieg. Qui bono? Warum bezahlt die Hochfinanzmafia beide Parteien des Krieges usw.

    Alles Gute

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