Fallschirmjäger-Tagebuch Teil VIII: Eigene Grenzen überwinden um zu bestehen

 

Teil 8 - Eigene Grenzen überwinden um zu bestehen

 

Als wir alarmmäßig geweckt wurden, war das ganze Zelt von innen durch unseren Atem gefroren. Selbst die Reißverschlüsse der Schlafsäcke mussten erst angewärmt werden. Die Temperaturen waren über Nacht auf -15°C gefallen und es kostete Überwindung, die einigermaßen warme Umgebung zu verlassen. Einige der Kameraden, welche noch nicht die neuen Carinthia-Schlafsäcke besaßen, haben vor Kälte kein Auge zu gemacht. Dennoch musste es schnell gehen, da uns nur 15Minuten Zeit blieben, im befohlenen Anzug zur Nahkampfausbildung anzutreten. Wir lernten verschiedenste Abwehr- und Überwältigungstechniken, blockten und griffen abwechselnd an, warfen uns gegenseitig in den Schnee und standen wieder auf. Die Gedanken kreisten eigentlich nur noch um das Frühstück, wofür uns im Anschluss auch kurz Zeit zur Verfügung stand. Die mentale Herausforderung konnte ich zum Großteil dadurch bestehen, indem ich mir immer kleine Tagesziele setzte, auf die ich hinarbeitete. Es ist wahrscheinlich nicht verwunderlich, dass diese Ziele immer aus den Verpflegungspausen bestanden. Um schon an das Wochenende zu denken, waren die Tage einfach zu lang. Außerdem motivierte ich mich damit, dass alles was schon geschafft war, nicht umsonst hätte sein dürfen.

 

 

Nun mussten wir das etwa 4km entfernte Gelände der Hindernisbahn in 40 Minutenerreichen, was erneut zu vielen schmerzhaften Stürzen führte. Doch dabei sollte es an diesem Tag nicht bleiben. Dort rechtzeitig angekommen, mussten wir uns direkt den nächsten Herausforderungen stellen: die deutsche Hindernisbahn musste in den eingeteilten Gruppen mit kompletter Ausrüstung in unter 6:30min absolviert werden, wenn die Aufgabe nicht bis zu dreimal wiederholt werden wollte. Schon hier war es nötig, nach dem vorrangegangen Marsch alle verfügbaren Kräfte zu mobilisieren und die Zeit auf Anhieb zu halten. Hätten wir nicht als Gruppe so stark zusammengehalten und hätte auch nur einer von uns seine Kräfte geschont, wäre es nicht zu schaffen gewesen. Im Anschluss daran musste jeder einzeln von uns den Hindernissparcours der CISM-Bahn überwinden, die Teil des internationalen militärischen Fünfkampfes ist und einen noch höheren Anspruch an Körper und Konzentration stellt, als die deutsche Hindernisbahn. Die Zeit von 4:30min konnten bei den Wetterverhältnissen aber nicht mal einige unserer sportlichsten Kameraden schaffen und so mussten fast alle von uns ganze dreimal ansetzen. Leider waren hier fünf unserer Mitstreiter gezwungen verletzt aufzugeben, da sie sich durch die vorherigen Stürze das Knie oder den Rücken so stark lädiert hatten, dass es einfach nicht mehr weiter ging. Ein anderer rutschte unglücklicherweise auf der Bahn aus und brach sich beim Sturz den Ellbogen, während sich ein weiterer durch eine ähnliche Situation einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zu zog. Bevor es im Eilmarsch zurück zum Lager ging, war nun auch die CISM-Bahn im Gruppenrahmen unter 7:30min zu absolvieren, was wir durch unsere schwindenden Kräfte leider nicht mehr auf Anhieb schafften. Die Erschöpfung stand uns förmlich ins Gesicht geschrieben und die Kälte zehrte an unserer Motivation, noch weitere Nächte bei den Temperaturen zu verbringen. Jedoch war Aufgeben von vornherein keine Option gewesen und ein „Tief“ Einzelner wurde im kollektiven Rahmen schnell aufgefangen.

 

 

 

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