Fallschirmjäger-Tagebuch Teil VII: Aufbruch zum Lagerplatz

Teil 7 - Aufbruch zum Lagerplatz

Das Wochenende habe ich ausschließlich mit Schlafen und auf der Blackroll verbracht. In Hinblick auf die kommenden Strapazen habe ich versucht, den Muskelkater in Schienbein, Wade und hinteren Oberschenkeln aus zu massieren und regelmäßig meine Füße mit Hirschtalgcreme einzureiben, um Blasenbildung vorzubeugen. Für mich hat sich herausgestellt, dass intensive Fußpflege vor und insbesondere nach extremer Belastung unabdingbar ist und ich lieber auf 5 Minuten an Schlaf oder Pause verzichte, um dafür meine Leistungsfähigkeit permanent zu erhalten. Auch bei eng anliegender Funktionskleidung kann es vorkommen, dass man sich bei hoher Belastung zwischen den Beinen wund läuft. Dieses Problem lässt sich meinem Erachten nach mit Vaseline am besten lösen/durchstehen und so entschloss ich mich, beides ungefragt und im hintersten Winkel meines Rucksackes versteckt mitzuführen.

Wie wir erwartet hatten, hatte es das ganze Wochenende geschneit und die Temperatur fiel auf -8°C. Die morgendliche Vollzähligkeitsüberprüfung der Ausrüstung fand draußen mitten im Schnee statt und ließ Ausrüstungsgegenstände wie die Zeltbahn oder den Poncho währenddessen zu unserem Missmut gefrieren. Der für diesen Tag eingeteilte Gruppenführer erhielt im Anschluss einen Kartenausschnitt für einen bevorstehenden Eilmarsch. Ziel war der Lagerplatz, um den wir uns die gesamte Woche aufhalten würden. Mit dem Verlassen des Kasernentores hatten wir 45 Minuten Zeit, auf einem selbst zu orientierenden Weg, das in etwa 6km entfernte Ziel zu erreichen. Hier kam uns zu Gute, dass der eingeteilte Kamerad das Gelände von seinen zahlreichen Übungen aus der Dienstzeit kannte und direkt den kürzesten Weg einschlug. Um Extrarunden zu Wochenbeginn zu vermeiden, musste die Strecke fast durchgehend im Laufschritt absolviert werden. Hier traf uns zum ersten Mal die Witterung besonders hart, da die Wege im Wald nicht nur verschneit sondern auch spiegelglatt waren. Der Reihe nach rutschten wir beim Laufen aus, rappelten uns mit Hilfe der Kameraden wieder auf und liefen weiter. Der schwere Rucksack zog dabei wie ein Stein zu Boden und es war nahezu unmöglich allein wieder aufzustehen. Die Soldaten, die auf empfindliche Stellen wie Knie oder Steißbein fielen, mussten die Zähne zusammenbeißen und hoffen, schlimmeren Verletzungen entgangen zu sein. Nachdem in der Vorwoche viele körperlich schwächere Kameraden ausgeschieden waren, konnten fast alle von uns die Strecke bewältigen ohne zurückzufallen und so erreichten wir das Lager in der vorgegebenen Zeit.

Nachdem wir kurz Zeit hatten uns trocken zu legen und warme Kleidung überzuziehen, wurde die EPA Verpflegung ausgegeben und der Lageraufbau betrieben. Immer wieder übten wir den Aufbau der Tipi-Zelte und verlegten später im Laufschritt einige Kilometer zur Ausbildung für Handstreich und Hinterhalt. Spät am Abend zurück im Lager erhielten wir die obligatorische Einweisung in die Extrarunde, die um das anliegende Schloss führte und genau wie in der Kaserne, in einer bestimmten Zeit zu absolvieren war. Zu diesem Zeitpunkt war die Kälte unser größter Feind und die Bewegung willkommen. Abschließend erhielten wir in einer anliegenden Scheune den letzten Unterricht des Tages und teilten nun die Wachen für die Nacht ein, bevor es endlich in den Schlafsack ging.



 

 

 

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